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Island, Grönland und die Färöer – unterwegs am Rand Europas

Es gibt Reiseziele, bei denen man schon nach wenigen Kilometern merkt: Hier ist die Landschaft der eigentliche Hauptdarsteller. Ganz weit im Norden wird dieses Gefühl besonders intensiv. Island, Grönland und die Färöer liegen mitten im Nordatlantik und könnten trotzdem unterschiedlicher kaum sein. Gemeinsam haben sie ihre Nähe zum Meer, eine raue Natur und dieses besondere nordische Lebensgefühl. Ansonsten hat jedes Ziel seinen ganz eigenen Charakter.

**Island** ist dabei wahrscheinlich der bekannteste Vertreter. Das Land wirkt auf erstaunlich kleinem Raum wie eine riesige Naturbühne: Vulkane, schwarze Strände, Wasserfälle, Gletscher, heiße Quellen und weite Lavafelder liegen teilweise nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Rund um Reykjavík lässt sich eine Reise mit Stadtleben, Kultur und kulinarischen Entdeckungen beginnen, bevor es hinaus in die Landschaft geht. Die berühmte Ringstraße führt einmal um die Insel und macht deutlich, warum Island für Rundreisen so beliebt ist. Wer mehr Zeit hat, kann Abstecher ins Hochland, zu abgelegenen Fjorden oder auf die Halbinsel Snæfellsnes unternehmen. Island ist aber nicht nur ein Ziel für Abenteurer. Heiße Quellen, kleine Cafés, gemütliche Unterkünfte und die besondere isländische Badekultur machen das Land genauso interessant für alle, die im Urlaub auch einmal einen Gang zurückschalten möchten. Und dann wäre da natürlich noch das Nordlicht, das zwischen Herbst und Frühjahr mit etwas Glück über den Himmel tanzt.

**Grönland** ist eine ganz andere Dimension. Schon die Größe des Landes ist beeindruckend: Mit rund 2,16 Millionen Quadratkilometern ist Grönland die größte Insel der Welt, rund 80 Prozent der Fläche sind von einer Eiskappe bedeckt. Hier geht es nicht um eine klassische Rundreise von Ort zu Ort. Straßen zwischen den Städten gibt es kaum. Stattdessen verbindet man die Orte per Flugzeug, Boot oder – je nach Jahreszeit – mit Hundeschlitten. Besonders beeindruckend ist Ilulissat mit seinem weltberühmten Eisfjord. Riesige Eisberge treiben dort ins Meer und verändern ständig ihre Position. Gleichzeitig lohnt sich der Blick auf das Leben der Menschen vor Ort: Grönland ist nicht nur Eis und Wildnis, sondern besitzt eine eigenständige Kultur, Geschichte und Sprache. Grönländisch beziehungsweise Kalaallisut ist die wichtigste Landessprache; außerdem wird Dänisch gesprochen. Eine Reise nach Grönland ist deshalb weniger ein klassischer Bade- oder Sightseeingurlaub als eine Begegnung mit einer Landschaft, die sehr viel größer wirkt als alles, was wir aus Mitteleuropa gewohnt sind. Wer hier unterwegs ist, sollte Zeit mitbringen – und die Bereitschaft, die Natur nicht kontrollieren zu wollen.

**Die Färöer** sind dagegen klein, aber keineswegs unspektakulär. 18 vulkanische Inseln liegen zwischen Island und Schottland im Nordatlantik. Steile Berge, grüne Hänge, tief eingeschnittene Fjorde und kleine Dörfer mit bunten Häusern prägen das Bild. Und eigentlich ist man auf den Färöern fast immer irgendwo in der Nähe des Meeres: Kein Punkt der Inselgruppe liegt mehr als fünf Kilometer von der Küste entfernt. Die Färöer eignen sich perfekt für alle, die spektakuläre Landschaften mögen, aber nicht unbedingt eine wochenlange Reise planen möchten. Wanderungen führen zu Aussichtspunkten über dem Atlantik, kleine Straßen schlängeln sich durch die Berge und immer wieder tauchen winzige Ortschaften auf, die aussehen, als wären sie direkt in die Landschaft gesetzt worden. In der Hauptstadt **Tórshavn** zeigt sich gleichzeitig die moderne Seite der Inselgruppe. Cafés, Restaurants, kleine Geschäfte und kulturelle Angebote treffen hier auf eine jahrhundertealte nordische Tradition. Gesprochen wird Färöisch, eine eigene nordgermanische Sprache, die eng mit den nordischen Sprachen und besonders mit dem Isländischen verwandt ist. Englisch wird weit verbreitet gesprochen.

Was alle drei Reiseziele verbindet, ist letztlich genau das, was den Norden so besonders macht: Man muss nicht ständig Programm machen. Die Landschaft selbst reicht oft schon aus. Ein Wasserfall, ein einsamer Fjord, ein kleiner Hafen, ein Wetterwechsel oder einfach der Blick über den Atlantik können hier zu einem Urlaubsmoment werden. Und vielleicht ist genau das der Reiz dieser nordischen Regionen. Sie funktionieren nicht nach dem Prinzip „möglichst viel in möglichst kurzer Zeit“. Sie laden dazu ein, draußen zu sein, unterwegs zu sein und die Umgebung wirklich wahrzunehmen.


### AUF EINEN BLICK: ISLAND
* **Hauptstadt:** Reykjavík
* **Einwohner:** rund 395.000
* **Fläche:** ca. 103.000 km²
* **Währung:** Isländische Krone (ISK)
* **Sprache:** Isländisch; Englisch ist weit verbreitet
* **Zeitzone:** GMT, ganzjährig
* **Höchster Punkt:** Hvannadalshnjúkur, 2.110 m
* **Besonderheiten:** Vulkane, Gletscher, Wasserfälle, heiße Quellen, Nordlichter
* **Ideal für:** Rundreisen, Natur, Outdoor, Wellness, Fotografie und Abenteuer
* **Beste Reisezeit:** Mai bis September für Rundreisen und Outdoor; Winter für Nordlichter
* **Entfernung ab Deutschland:** je nach Abflugort rund 2.500–3.000 km Luftlinie
* **Flugzeit:** ungefähr 3,5 bis 4 Stunden nonstop ab Deutschland
Die offiziellen isländischen Tourismusinformationen nennen Reykjavík als Hauptstadt, die isländische Krone als Währung und GMT als ganzjährige Zeitzone; der aktuelle Bevölkerungsstand liegt bei rund 395.000 Einwohnern.

### AUF EINEN BLICK: GRÖNLAND
* **Hauptstadt:** Nuuk
* **Einwohner:** rund 57.000
* **Fläche:** ca. 2,16 Mio. km²
* **Währung:** Dänische Krone (DKK)
* **Sprache:** Grönländisch/Kalaallisut; außerdem Dänisch und Englisch
* **Zeitzonen:** mehrere Zeitzonen
* **Höchster Punkt:** Gunnbjørn Fjeld, 3.694 m
* **Besonderheiten:** Inlandeis, Eisberge, Fjorde, arktische Tierwelt
* **Ideal für:** Naturerlebnisse, Expeditionsreisen, Fotografie, Wandern und arktische Abenteuer
* **Beste Reisezeit:** je nach Reiseart; Sommer für Wandern und Bootsfahrten, Winter für Schneeerlebnisse und Nordlichter
* **Entfernung ab Deutschland:** rund 3.500–4.500 km Luftlinie, je nach Ziel
* **Flugzeit:** meist deutlich länger als nach Island und in der Regel mit Umstieg
Grönland verwendet die dänische Krone als Währung. Wegen der enormen Größe des Landes unterscheiden sich Klima und Reisebedingungen regional erheblich.

### AUF EINEN BLICK: FÄRÖER
* **Hauptstadt:** Tórshavn
* **Einwohner:** rund 56.000
* **Fläche:** ca. 1.399 km²
* **Inseln:** 18 vulkanische Inseln
* **Währung:** Färöische Krone bzw. Dänische Krone
* **Sprache:** Färöisch; Dänisch und Englisch sind ebenfalls verbreitet
* **Zeitzone:** GMT im Winter, GMT+1 im Sommer
* **Höchster Punkt:** Slættaratindur, 880 m
* **Besonderheiten:** Steilküsten, Fjorde, Berge, Seevögel und kleine Inseldörfer
* **Ideal für:** Wandern, Natur, Fotografie, Roadtrips und Individualreisen
* **Beste Reisezeit:** Mai bis September
* **Entfernung ab Deutschland:** rund 1.500–2.000 km Luftlinie
* **Flugzeit:** je nach Verbindung etwa 3–5 Stunden
Die Färöer sind eine selbstverwaltete Region innerhalb des Königreichs Dänemark. Aktuelle Angaben nennen 56.365 Einwohner und Tórshavn mit 22.711 Einwohnern (Stand Februar 2026).